Fertig eingerichtet sind sie noch nicht, aber das erste gemeinsame Projekt mit ihren Schützlingen haben unsere neuen Kinderdorfeltern bereits in Angriff genommen: Nadine und Jörg Deutschmann haben zusammen mit den Kindern einen Sommerpavillon gebaut. Der soll viele gemütliche Stunden im Garten ermöglichen – und erinnert die Deutschmanns zugleich ein wenig an ihre alte Heimat.

„Genauso einen Pavillon hatten wir in unserem Garten in Wittenberg“, verrät Nadine Deutschmann. „Ein kleines Stück Heimat haben wir uns auf diese Weise mit an die Ostsee gebracht. Und der Aufbau war ein prima Gemeinschaftsprojekt. Die Kinder hatten riesigen Spaß beim Sägen, Streichen und Bohren. Sie haben das ganze Wochenende voller Inbrunst draußen mit uns gewerkelt und waren super stolz und glücklich, als der Pavillon schließlich stand.“ Zwei neue Fußballtore für den Garten gab es außerdem.

Nach dem vorgezogenen Umzug von Wittenberg nach Wolgast, dem ein halbes Jahr Pendelei zwischen beiden Orten vorangegangen war, sind Nadine und Jörg Deutschmann in kürzester Zeit richtig angekommen in „ihrer“ Kinderdorffamilie. „Es ist, als ob wir schon immer hier wohnen würden“, sagt Nadine Deutschmann, die inzwischen auch zum ersten Mal im Kinderdorfhaus ihren Geburtstag gefeiert hat. „Die neue Adresse steht sogar schon auf unseren Ausweisen. Das hat es für uns so richtig real gemacht, nachdem wir so lange von diesem Schritt gesprochen und geträumt hatten.“ Die meisten Kartons sind auch bereits ausgepackt, die Kinderzimmer der beiden leiblichen Söhne fertig. „Das haben wir in drei Tagen geschafft“, sagt Jörg Deutschmann.

Genau so viel Zeit war dann noch einmal fürs Lernen geblockt, denn in diesem Monat schließen Nadine und Jörg Deutschmann ihr Erzieherstudium in Berlin ab.

Konzentriert lernen in einem Haus mit insgesamt acht Kindern (sechs Kinderdorfkinder, zwei leibliche Kinder), ist das überhaupt möglich? „Dadurch, dass wir unsere eigene Wohnung im Haus haben, konnten wir uns für die Vorbereitung auf die Prüfungen gut zurückziehen“, sagt Nadine Deutschmann. „Aber es geht uns wie derzeit Tausenden Familien in Deutschland, die Arbeit und Kinderbetreuung stemmen müssen: Unsere beiden Söhne lernen bis zum Schuljahresende zuhause – und gerade der Kleine fragt schon häufig: Mama, kannst du mal kommen?! Natürlich ist das auch anstrengend.“

Inzwischen liegen die schriftlichen Prüfungen hinter dem Paar. „Wir sind an den Prüfungstagen jeweils morgens um fünf Uhr aufgestanden, nach Berlin gefahren, haben vier Stunden Prüfung geschrieben und waren nachmittags um fünf wieder zurück“, berichtet Nadine Deutschmann. „Am Monatsende folgt nun noch die mündliche Verteidigung unserer Abschlussarbeit – dann haben wir es endlich geschafft.“

In Wolgast finden sich die neuen Kinderdorfeltern derweil in den Dienstrhythmus ein und bereiten sich darauf vor, das Haus ab dem 1. Juni zu leiten. „Der bisherige Teamleiter wird den Kindern und uns fehlen“, sagt Nadine Deutschmann, die immer wieder betont, wie dankbar sie dem gesamten Team ist. Doch sie freut sich auf ihre neue Rolle. Und: auf die ersten wärmeren Abende im Garten des Kinderdorfhauses. „Bisher konnten wir den gemeinsam gebauten Sommerpavillon nämlich noch gar nicht richtig einweihen. Als wir mit dem Bau fertig waren, gab es nur ein Eis auf die Hand und alle hatten dicke Jacken an. Aber jetzt steht der Sommer ja vor der Tür.“

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Beitrag: Sabrina Banze, Bundesverband